Selbstführung Teil2

von | 5 Aug 2020

Teil 2: (Selbst-) Führung in Corona-Zeiten. Die Veränderung der Gegenwart, um die Zukunft besser zu machen, ist eine schöpferische Leistung und hier ist der Weg das Ziel. Die Kunst dabei ist, auszuhalten, dass ich nichts weiß und mit all den aufkommenden Gefühlen zu sein, kleine Schritte zu gehen und Hilfe zu bitten, wenn ich sie brauche. Heute zeige ich im 2. Teil wie wir im Prozessverlauf unser Selbstbewusstsein wieder stärken können, aus dem sogenannten Tal der Tränen wieder hinauskommen und wie uns Veränderung nicht nur zu Corona-Zeiten gut gelingen können.

Vom Tal der Tränen zur Integration der Veränderung

Die Kernaussage des Modells ist, dass jeder Mensch diese Phasen durchläuft, unabhängig davon, ob es eine positive oder kritische Veränderung ist, ob ich sie selbst herbeiführe oder sie von außen auf mich zukommt. Manche Menschen gehen schneller durch diese Phasen, andere tun sich sehr schwer. Manche Anpassungsprozesse verlaufen innerhalb Minuten – wie zum Beispiel die Erkenntnis, wenn am Morgen mein Fahrrad platt ist und ich mit dem Bus fahren muss und andere Veränderungen sind schwerwiegender und dauern manchmal Jahre, insbesondere bei großen Schicksalsschlägen wie Trennung, Krankheit oder Tod des eigenen Kindes. Jedoch kann ich keine Phasen überspringen, wohl aber steckenbleiben.

Ein Veränderungsmodell für die Corona-Zeit

Ja, es ist ein Modell, ein Modell, ein Modell… Und dennoch, wir können es ja einfach mal als Hypothese annehmen und so tun als ob da etwas Wahres dran ist und wenn das so wäre, was würde das für mich bedeuten? Wenn ich mich öffne für diese Art von Reflexion, dann bin ich zumindest um einige Erkenntnisse reicher.

Besonders anschaulich lässt sich das Modell auf die Corona-Zeit übertragen. Das wurde mir klar, als ich mich am Tiefpunkt dieser Zeit erlebte. Ich akzeptierte, dass auch ich mich verändern müsse und sprang dann zwischen Widerstand und dem Experimentieren in kleinen Schritten.

Phase 1-4 hatte ich im Teil 1 erläutert. Heute im Teil 2 veranschauliche ich die Phase 5-6 und zum Einstieg die Phase 4 nochmal zur Erinnerung – und die Antwort auf die offene Frage des 1. Teils, wie es mir in dieser Phase ergangen ist und wie ich einen Schritt weiterkam.

Emotionale Akzeptanz – „Auch ich muss mich verändern?!“

In dieser Phase sind wir an einem schwierigen Punkt. Im Moment, wo wir die Realität erkennen, auch ich muss mich anpassen und verändern, sinkt die Einschätzung der eigenen Kompetenz auf den Tiefpunkt, ins „Tal der Tränen“. Hier geht es darum, Altes loszulassen und auf das Zukünftige mit Freude zu schauen – das ist oft nicht einfach. Es entsteht mitunter das Gefühl, bis hierher war es schon so anstrengend, man habe doch alles ausprobiert; Zweifel an sich selbst, Versagensängste und depressive Gefühle können einen aus der Bahn werfen. Allzu verlockend ist es, sich in diesen Moment zu ergeben und darin stecken zu blieben. Allerdings, wenn wir uns nicht einlassen, verstärken wir die emotional belastende Situation. Bekannte Handlungsweisen, alte Glaubenssätze, Einstellungen, Werte scheinen ausgeschöpft und der Eindruck entsteht, man habe doch jetzt alles schon versucht. Es ist die Zeit, bisherige Verhaltensweisen zu würdigen und zu überlegen, welche Dinge auch in Zukunft sinnvoll sind sowie klar zu entscheiden, was hinter einem bleibt. Trauer, manchmal noch verborgen hinter einem Wutausbruch, ist ein wichtiges Gefühl in dieser Phase. Abschiedsrituale, die richtigen Menschen an seiner Seite und allen Gefühlen Raum geben – das wäre hier der Tipp. Und: Schlimmer wird es nicht, nach dieser Phase geht es wieder bergauf.

Mich packt diese Phase besonders, weil die ganze Bandbreite an Gefühlen sichtbar wird und es anscheinend keine Abkürzung gibt. Anfangs versuchte ich mich abzulenken: seichte Romane und Krimis im Fernsehen, das Ausblenden aller Nachrichten auf allen Kanälen, schöne Radausflüge an den Wochenenden, als gäb`s kein Corona.

Das diese Strategie nicht lange vorhält, war in mir bereits vorhanden, aber ich fand immer noch einen Schuldigen in der Politik oder in anderen Zusammenhängen oder ertappte mich dabei, dass ich mich beklagte über Gott und die Welt. Außerdem war ich der Meinung, ich hatte mich nun intensiv mit neuen Angebots-Formaten und Online-Marketingstrategien auseinandergesetzt, so dass ich sagen konnte, das sei ja alles ganz gut und schön, aber für mich total unpassend, weil, weil, weil, ….

Und doch schlummerte in mir, dass auch ich mich verändern müsse und werde. Eine Zeit wie vor Corona wird es so nicht mehr geben und das hat Auswirkungen auf mein Business und meine Zukunft. Innerlich gingen die Grübeleien jedoch weiter und kreisten um die Fragen, was war wirklich wichtig und was wollte ich gern in die Welt bringen. Im Stillen malte ich mir aus, wie es sein könnte, wenn es kein Risiko gäbe. Bei mir war es das Thema „Zukunft ist weiblich“ – ich wollte Frauen darin begleiten, sich wieder an ihre urweibliche Schöpferkraft zu erinnern und zu erforschen, welche Werte ihnen wirklich wichtig sind und wie sie diese nach außen tragen können – im Job, in der Familie oder in Beziehungen.

Ich musste diese Entscheidung treffen – will ich dieses Thema wirklich platzieren und wie oder mit was beginne ich? Ich schaute mir ähnliche Angebote an, beriet mich mit meinem Partner und guten Freundinnen. Eine ganze Zeit ging es in mir hin- und her – ein Wechselbad der Gefühle, mal zweifelte ich an mir, mal strotzte ich nur so von Selbstbewusstsein, mal zögerte ich und verharrte, mal nahm ich gleich drei Schritte auf einmal. Und es gab manche Momente, in denen ich dachte, das hat doch alles keinen Sinn, ich bin nicht genügend ausgebildet, professionell, kompetent und alle anderen machen das viel besser! Dann wiederrum stampfte ich mit dem Fuß auf und sagte trotzig „Ich will aber!“ und wann, wenn nicht jetzt und schließlich bin ich alt und erfahren genug, das jetzt einfach zu machen.

Am Ende entschied ich mich eine neue Webseite zu machen, mit einem neuen Menüpunkt „Zukunft ist weiblich“. Das Go ging dann ziemlich schnell, nach kurzer Zeit hatte ich alle Texte geschrieben und 3 Wochen später ging die Seite online.

Öffnung – „Es geht ja tatsächlich…“

Ist die Veränderung der Einstellung gelungen, entsteht manches Mal ein neues Selbstbild und der Zugang zu den persönlichen Stärken ist wieder verfügbar. Durch eigene Ideen, die Offenheit, bei anderen etwas abzuschauen oder Vorschläge anzunehmen, geht es in die Phase um das Ausprobieren neuer Fähigkeiten und Verhaltensweisen. Dabei gibt es natürlich Erfolge und Misserfolge. Irrungen und Rückschläge sind nicht ausgeschlossen – auch ist hier ein Rückfall in Phase 2 möglich. Erste Inseln von Zukunftsentwürfen und Ideen entstehen. Da braucht es bewertungsfreie Zonen, spielerische Forschungsfelder und eine prinzipielle Fehlererlaubnis. Dann kann Kreativität fließen und die Risikobereitschaft steigt. Neugier ist ein wichtiges Gefühl in dieser Phase. Hier ist es wichtig, sich auch über kleine Erfolge zu freuen, Geduld zu haben. Das Motto: Scheiter heiter und dann weiter.

Im ganzen Land gab es Lockerungen, aber von normalem Alltag waren wir weit entfernt. Altenheime und Krankenhäuser ließen nur wenige Besucher zu Bewohnern und Patienten, die Gastronomen bedienten in halbleeren Restaurants eine kleine Anzahl von Gästen und beim Arzt, im Bus und beim Einkaufen musste man weiter den Mundschutz tragen. Aus der Not heraus entwickelten die etliche Unternehmen und Einrichtungen kreative Konzepte. Die Gastronomen stellen mehr Stühle auf die Straße und boten Veranstaltungen unter freiem Himmel an, das Autokino erlebte ein Revival, Chöre probten im Freien, Schüler nahmen ihr Zeugnis im Autokorso entgegen, Altenheime erfreuten Bewohner mit Geburtstagständchen und Konzerten im Innenhof und vieles mehr. Die Nachrichten berichteten täglich über neue spannende Projekte und Ideen.

Ich selbst entwickelte Seminarformate für weibliche Führungskräfte, fragte meine bisherigen Teilnehmerinnen nach ihrem Interesse an dem Thema und bot meinen Kunden diese Seminaridee an. Dabei wurde mir klar, dass ich an der einen oder anderen Stelle noch nachbessern musste, so wie ich mir das gedacht hatte, schien das Thema noch nicht interessant genug zu sein.

Parallel experimentierte ich mit Körperübungen, spirituellen Impulsen und Meditationseinheiten auf Online-Plattformen sowie live in kleinen Schwesternkreisen. Das kam gut an und stärkte mein Selbstbewusstsein. Außerdem begann ich regelmäßiger zu schreiben und veröffentlichte Blogartikel zu diesen Themen.

Integration – „Es geht ja tatsächlich…“

Die Erkenntnis, in welchen Situationen das neue Verhalten, die neue Sichtweise angemessen ist und wo die alten Denk- und Handlungskompetenzen durchaus noch ihren Platz haben, führt zu einer Erweiterung des gesamten Wahrnehmungsspektrums. Die wahrgenommene eigene Kompetenz und Selbstwirksamkeit steigt über das Niveau vor der Veränderung an, da das Denk-, Fühl- und Verhaltensrepertoire erweitert worden ist. Das Selbstvertrauen steigt. Hier wird deutlich, warum der Wandel notwendig ist und wie die Zukunft aussehen kann. Diese positiven Gefühle festigen die Veränderungskompetenz. Hier ist es wichtig, das bisher erreichte zu würdigen und zu feiern.

Auch wenn immer noch Verschwörungserzähler an Corona zweifeln und im Widerstand gegen die Maßnahmen auf der Straße demonstrieren oder Unverbesserliche ohne Schutz ihre Partys feiern, hat doch der Großteil der Bevölkerung die Hygienestandards und –regeln im Alltag integriert, trifft sich überwiegend draußen und verbringt unter Umständen seinen Urlaub auf Balkonia. Und ja, es wird Verlierer und wenige große Gewinner geben, die zweite Welle hat uns längst erreicht und ob und wie wir diese Krise meistern werden, steht in den Sternen.

Ich selbst freue mich auf meine zukünftigen Angebote, bekomme viel positives Feedback zu meiner neuen Webseite und bin gespannt, wo mich dieser Weg hinführen wird. Klar, mache ich mir Sorgen und Gedanken über meine finanzielle und berufliche Existenz – gerade die vielversprechende Soforthilfe für Soloselbstständige stellte sich als Flop heraus und über die Überbrückungshilfe entscheidet manchmal der Zahlen-Zufall, so dass manch Kleinunternehmer auch da leer ausgeht. Aber in mir entsteht ein Bild einer lohnend erscheinenden Zukunft, die Einstellung das Wandel positiv und richtig ist sowie die Hoffnung, dass sich die Welt und die Menschen doch zum Guten ändern werden.

Die Veränderung der Gegenwart, um die Zukunft besser zu machen, ist eine schöpferische Leistung und hier ist der Weg das Ziel. Die Kunst dabei ist, auszuhalten, dass ich nichts weiß und mit all den aufkommenden Gefühlen zu sein, kleine Schritte zu gehen und Hilfe zu bitten, wenn ich sie brauche.

Foto: Mailboxes – Coromandel Peninsula, NZ” ©iStockphoto.com/bb_1

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Michaela Arlinghaus

Michaela Arlinghaus
Bloggen – meine neue Leidenschaft

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