Warum ein Ziel ohne Absicht wie ein Fass ohne Boden ist

von | 13 Jan 2023 | 2 Kommentare

Gerade zu Jahresbeginn ist mein Sportstudio so voll wie das ganze Jahr über nicht. In meinem Umfeld nehmen sich viele Menschen etwas vor und setzen sich Ziele für das neue Jahr: Abnehmen, mehr Bewegung, weniger Süßigkeiten oder sie möchten mehr Wow-Erlebnisse in ihren Alltag bringen, die eigene Löffelliste abarbeiten, neue Kontakte knüpfen.

Wir möchten negative Gewohnheiten beseitigen und einen neuen Anfang machen.

Ein guter Spruch, der dazu passt:

Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll. Georg Christoph Lichtenberg

Mir geht es mit den Vorsätzen und Zielen nicht anders. Das letzte Jahr hat es nicht so gut mit mir gemeint und so war ich tatsächlich sehr froh, dass ein neues Jahr beginnt. Neues Jahr, neues Glück. Ich wollte wieder zuckerfrei werden, meine Mobilität weiter ausbauen und wieder mit dem Bloggen anfangen.

Was liegt da näher, als sich Ziele zu setzen: 52 Blogartikel dieses Jahr, 5-Stunden-Wanderung durchhalten, 6 Monate keinen Zucker. Doch hilft es mir, wenn ich mir Ziele setze? Kann ich sie auch umsetzen und durchhalten? Bin ich am Ende zufriedener, wenn ich sie erreicht habe, kann ich mich feiern, sehe ich es als Erfolg an und wie wird es danach weitergehen?

In diesem Blogbeitrag möchte ich Ziele und Absichten genauer betrachten. Was sind Ziele und welche Bedeutung haben sie? Wieso sind Ziele ohne Absichten ein Fass ohne Boden? Und was sind in Ergänzung dazu Absichten und wie können sie unsere Zielsetzung unterstützen und Entwicklung sowie Veränderung in mein Leben zu holen?

Was sind Ziele und welche Bedeutung haben sie?

Ein Ziel ist etwas, das ich erreichen möchte, entweder weil ich mir selbst etwas vornehme, eine Zielsetzung von außen an mich herangetragen wird oder weil ich es mit jemanden vereinbare. Ein Ziel gibt mir die Richtung vor. Ich benötige Fähigkeiten, Strategien, muss mich anstrengen, Ausdauer beweisen und mich flexibel anpassen können. Je SMARTER ich ein Ziel formuliere, desto leichter gelingt mir die Umsetzung.

Wir werden in unserer Leistungsgesellschaft gedrängt, Ziele zu setzten und daran gemessen, ob wir sie erreichen. Wenn uns dies nicht gelingt, fühlen wir uns oft miserabel, sind frustriert und unser Selbstwert ist angeknackst.

Und was, wenn wir unser Ziel erreichen?

Dann ist der lineare Endpunkt erreicht. Es gilt, neue Pläne zu schmieden, weitere Ziele zu stecken. Mit immer neuen Ziele können wir schnell selbst zu Getriebenen werden.

Andererseits, wer sich gar keine Ziele setzt, sich einfach im Fluss des Lebens treiben lässt, ist auch nicht zufriedener.

Wie wirkt es sich aus, wenn Ziele nicht zu uns passen?

Ziele sind wichtig und hilfreich, um kurzfristig und konkret etwas zu erreichen. Quasi als Meilensteine auf meinem Weg der Veränderung. Aber ein Ziel, ohne Klarheit über die dahinterliegende Absicht, führt nicht selten zum Misserfolg. Wir geben vorschnell auf, weil wir Ziele zu unüberlegt treffen oder weil sie nicht zu uns passen.

Manchmal ist es so, dass wir das gesteckte Ziel erreichen und danach fällt alles in sich zusammen. Ich habe 10 Kilo abgenommen und dann, wie geht es weiter? Wie oft haben wir diesen viel zitierten Jo-Jo-Effekt schon selbst erlebt? Aus der Zielsetzung hat sich keine Gewohnheit etabliert.

Oder wir setzen uns Ziele, weil der soziale Druck da ist und alle anderen es so machen: hier ein Challenge, da die Platzierung eines Jahres-Mottos mit dazugehörigen Zielen und da das Posten von Selbstoptimierungsversuchen oder das Hervorheben hoher Umsatzzielen. Hier wirkt es wie gezwungen, schnell sind wir erschöpft. Dann kann es sich anfühlen, wie ein Fass ohne Boden: Wir strengen uns immer mehr an, ohne dass es den gewünschten Erfolg bringt.

Es fehlt die innere Verbindung zu meinem persönlichen Werten und Bedürfnissen.

Das passende Ziel kann eine große Wirkung haben und sehr wohl zum Erfolg führen. Es ist allerdings wichtig, nach dem „Warum“ zu fragen.

Verbinde dich mit deiner Absicht beim Setzen von Zielen

Hinter jeder Handlung, jedem Vorhaben verbirgt sich eine Absicht. Es ist unser „Warum“ und bildet die Brücke zwischen den Wünschen und den Handlungen. Mit einer Zielsetzung erwarten wir am Ende Freude, mit der Absicht fühle ich die Freude bereits im Jetzt

Ein Beispiel für den Unterschied zwischen Ziel und Absicht:

Wenn es mein Ziel ist den Gipfel zu erklimmen, bin ich darauf fokussiert und nehme kaum den wunderbaren Weg dorthin wahr. Oben angekommen bin ich vielleicht enttäuscht, wenn dichter Nebel mir die Sicht auf ein spektakuläres Panorama versperrt. Meine Absicht könnte es jedoch sein, die Schönheit der Natur mit jedem Schritt und allen Sinnen wahrzunehmen. Auch ohne den tollen Blick auf dem Gipfel habe ich einen erfüllten Tag und kehre in Freude zurück von der Wanderung.

Es ist eine achtsame Haltung, die Wünsche, Visionen und Träume einlädt. Eine Absicht ist eine bewusste Entscheidung für etwas, dass ich in mein Leben oder in die Welt bringen möchte und das bereits jetzt da ist. Ein Ziel dagegen, ist die Handlung mit dem Zweck, ein bestimmtes Ergebnis zu einem konkreten Zeitpunkt zu erreichen.

Wenn wir uns mit unserer Absicht verbinden, geben wir unserer inneren Weisheit, unseren Talenten, unserem Wesenskern Raum, sich zu entfalten.

Strategien zu mehr Klarheit über deine Absichten

Frage dich also bei deinen Zielen, warum du dieses Ziel erreichen möchtest. Was steckt dahinter? Was erfüllt sich dann, wenn du das Ziel erreicht hast? Und dann stelle diese Frage noch mehrmals.

Beispiel:

Ich möchte in 3 Monaten zuckerfrei in meinem Alltag sein. Warum?

Weil ich hoffe, dass ich dann nicht mehr so abhängig bin von dieser Zuckersucht.

Warum möchtest du nicht mehr abhängig sein?

Weil ich dann wieder eine Wahl habe, was, wann und wie viel Süßes ich essen möchte.

Du möchtest selbst entscheiden, was du isst und deine eigene Wahl treffen? Warum?

Weil ich mich dann wieder frei fühle, mich zu fragen, was ich stattdessen brauche.

Du möchtest mehr deine Bedürfnisse kennen und befriedigen? Warum?

Weil ich dann zufriedener, glücklicher und gesünder sein werde.

Am Ende stehen unsere Werte. Wenn wir uns Klarheit verschaffen, über unsere Werte in Bezug auf Zufriedenheit und Gesundheit, wie in dem Beispiel, dann ist es leichter, darauf die Ziele als Meilensteine aufzubauen. Es macht Entwicklung und Veränderung wahrscheinlicher und nachhaltiger.

Eine weitere Strategie, die Ziele mit unseren Absichten zu verbinden, ist das Sichtbarmachen. Visionsboard, Wortkollagen, Schreibroutinen, Erinnerungen in Form von Zitaten, Karten, Ankersymbolen aus der Natur. Insbesondere Wiederholungen verstärken unser Engagement. Hilfreich sind Rituale wie Morgenseiten oder Mediationen zu Monatsbeginn oder Neumond. Damit schaffen wir Strukturen, die es uns erleichtern, unsere Ziele wirklich umzusetzen.

Scheiter heiter und dann weiter – Stärke dein Selbstmitgefühl

Wir wünschen uns häufig so sehr, dass sich etwas ändert in unserem Leben, dass wir manchmal nicht bedenken, dass Veränderung auch schmerzhaft sein kann. Und manchmal gibt es gar eine “Erstverschlimmerung”. Veränderungen brauchen Zeit und Milde mit uns selbst.

Auch wenn wir bereits auf dem Weg sind, kann es Hindernisse, Stolpersteine und Rückschläge geben. Umso wichtiger ist es, dass wir uns in Selbstmitgefühl üben, statt uns selbst zu kritisieren und zu verurteilen.

Achtsamkeitsmethoden sowie Körper- und Atemübungen helfen uns dabei, kritische Situationen zu hinterfragen und Selbstmitgefühl zu integrieren.

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2 Kommentare
  1. Heike Brandl

    Sehr passend heute dazu in meiner Meditations-App: “Wenn dein Mitgefühl dich selbst nicht einschließt ist es unvollständig.”(Jack Kornfield).
    Ich gebe dir ganz recht: Die Intention ist wichtig. Nur dann kann es gelingen. Als Sprach- und Kommunikationstrainerin halte ich noch eine Ergänzung für erwähnenswert: Formuliere deine Ziele auch klar. “Ich möchte” ist zu vage. Sinnvoller ist: “Ich will” und “ich werde”.

    Antworten
    • Michaela

      LIebe HEike. Ich werde oder ich will ist wie ein Statement, da hast du recht. Zaghafter ist ich möchte. Ich schaue mir den Text auch daraufhin nochmal an. Danke für`s Erinnern. Herzliche Grüße

      Antworten
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Michaela Arlinghaus

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Bloggen – meine neue Leidenschaft

In diesem Blog findest du wöchentlich neue Themen aus meinem beruflichen Alltag.

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